Lippenherpes (Herpes labialis), ein weitverbreitetes Problem

Herpes_labialis-Lippenherpes

By WizardOfOz (Own work) [CC-BY-SA-1.0], via Wikimedia Commons

Die bekannteste Form der Herpes Erkrankungen ist der Lippenherpes, der die medizinische Bezeichnung Herpes labialis trägt.

Verantwortlich für diese Infektion ist der Herpes-simplex-Virus. Weltweit ist dies die häufigste Infektionskrankheit der Haut.

Bekannt sind 8 unterschiedliche Typen der Herpes-simplex-Viren.

Der Typ 1 des Herpes-Simplex-Virus, kurz bezeichnet als HSV-1, ist hauptverantwortlich für den Lippenherpes. Berichten zufolge sind bis zu 85 % der Weltbevölkerung mit diesem Virus Typ infiziert.

Besonders fies ist die Tatsache, dass der Erreger des Lippenherpes selbst dann, wenn die Infektion ausgeheilt ist, lebenslänglich im Körper des Betroffenen verbleibt. Es besteht ständig das Risiko, dass die Infektion erneut ausbricht.

Oftmals erfolgt die Übertragung schon im Kindesalter und der Herpesvirus schlummert unter Umständen viele Jahre, bis eine für den Virus günstige Gelegenheit zu einem Herpes-Ausbruch führt. Es ist also besondere Vorsicht geboten, damit es nicht zu einer Mutter-Kind-Übertragung kommt.

Ursachen für Lippenherpes

Die folgenden Faktoren begünstigen eine Erkrankung durch den Herpesvirus:

  • Immunstörungen
  • Grippe
  • Fieber
  • Hautverletzungen
  • Psychische Belastungen
  • Ekel
  • Hormonveränderungen
  • Starke Sonnenbelastung

Ist das Immunsystem geschwächt, ist der Körper relativ anfällig. Dadurch besteht eine wesentlich höhere Gefahr, an einer durch Viren oder Bakterien hervorgerufenen Infektion zu erkranken.

HIV steht hierbei besonders im Vordergrund. Aber auch Patienten, die älter sind oder beispielsweise eine Transplantation erhalten haben, gehören zu den Risikogruppen. Selbst ein grippaler Infekt kann den Lippenherpes begünstigen. Auch Hautstörungen, die durch übermäßige Hitze oder Kälte bedingt auftreten, machen den Körper ebenfalls anfällig für die Viren.

Besondere Vorsicht sollten Frauen walten lassen, wenn sie schwanger sind. Auch hormonelle Veränderungen, durch Medikamente und während der Menstruation, stellen die Weichen für das Eindringen der Viren.

Psychische Faktoren spielen bei dem Lippenherpes (Herpes labialis) ebenfalls keine unwesentliche Rolle. Ein Körper, der gestresst, voller Ängste und Trauer ist, ist wesentlich empfänglicher für den Herpesvirus als ein entspannter.

Lippenherpes – Vorkommen und Risikogruppen

Folgende Personengruppen sind besonders gefährdet und sollten zwingend einen Arzt bei einem Herpes Ausbruch aufsuchen und sich dessen Rat einholen.

  • Menschen mit geschwächtem Immunsystem
  • Menschen mit Ekzemen oder Neurodermitis
  • Neugeborene
  • Säuglinge
  • Kleinkinder
  • Schwangere
  • Stillende Mütter
  • Ältere Menschen
  • Verdacht auf Stomatitis
  • HIV-Patienten
  • Patienten nach Transplantationen

Lippenherpes Symptome und Verlauf

Tritt der Herpes in Form von Lippenherpes (Herpes labialis) auf, kann der Verlauf in 5 Phasen gegliedert werden.

Die Phase 1 ist das Frühstadium des Lippenherpes. Das Frühstadium kann einen Zeitraum von wenigen Stunden bis zu einem Tag andauern. Zu diesem Zeitpunkt sind noch keine typischen Herpes Symptome sichtbar. Verursacht durch die rasante Vermehrung der Viren, ist lediglich ein Kribbeln oder Brennen im Bereich der Lippen zu bemerken.

Der Verlauf und auch der Schweregrad von Lippenherpes können individuell recht unterschiedlich sein. Um rechtzeitig reagieren zu können, sollten die folgend aufgeführten typischen Warnsignale beachtet werden.

  • Spannungsgefühl
  • Kribbeln
  • Taubheitsgefühl
  • Brennen
  • Jucken
  • Stechen
  • Rötungen der Hautpartien

Es folgt die Phase 2, in welcher nun schon die kleinen Bläschen der Lippenherpes sichtbar werden. Die Dauer kann mit ein bis zwei Tagen angenommen werden.

Millionen, der sich extrem schnell vermehrenden Viren, bilden die durchsichtige Flüssigkeit in den Herpesbläschen. Um den Krankheitsverlauf günstig zu beeinflussen, sollten antivirale Mittel, wie Lippenherpes-Creme und dergleichen, zur Anwendung kommen.

In Phase 3 platzen die gefüllten Herpesbläschen leicht auf. Charakteristisch ist der rote Rand um die entzündeten Stellen. Dies ist der Höhepunkt einer Lippenherpes-Infektion, welcher einige Tage anhält und äußerst schmerzhaft ist.

Bereits wieder beim Abklingen ist der Lippenherpes in der Phase 4, welche nach wenigen Tagen abgeschlossen ist. Die Herpesbläschen schließen sich. Während des Heilungsprozesses bildet sich eine Kruste auf der Wunde.

Um zu vermeiden, dass der Schorf durch Lachen, Essen oder Reden relativ schnell wieder aufplatzt, sind die betroffenen Stellen besonders zu pflegen. Handelsübliche Produkte, wie Lippenbalsam, eignen sich hervorragend dafür.

Die 5. Phase ist der Prozess der Heilung. Wird der Lippenherpes nicht behandelt, ist eine Zeitspanne – von Beginn der Erkrankung bis zum vollständigen Abklingen aller Symptome – von 14 Tagen anzunehmen. Der Schorf wird nach 1-2 Tagen abfallen. Darunter befindet sich die junge Haut. Sie hat eine rosa Farbe und ist noch sehr empfindlich.

Komplikationen bei Lippenherpes

Es besteht in einigen Fällen die Möglichkeit, dass Komplikationen eintreten. Das Herpesvirus kann sich auf die Augen, bekannt als Augenherpes, oder auch auf den Intimbereich übertragen werden. Bereits bei der Erstinfektion können im Säuglingsalter Herpes Symptome, u.a. auch von Herpes im Mund zusätzlich zum Lippenherpes auftreten.

Ansteckungsmöglichkeiten mit Lippenherpes

Prinzipiell kann Lippenherpes auf drei Wegen übertragen werden. Am häufigsten ist die Übertragung durch Tröpfcheninfektion. Dies kann durch Sprechen, Niesen oder Husten geschehen.

Als Nächstes ist die Schmierinfektion zu nennen. Verbreitet wird in diesem Fall der Lippenherpes durch das Berühren infizierter Flächen. Das können Türklinken sein, aber auch Besteck kommt für diesen Übertragungsweg infrage.

Der Hautkontakt ist die dritte Option zu einer Ansteckung mit Lippenherpes. Die Herpesbläschen werden hierbei direkt berührt, wie beispielsweise beim Küssen. Die Zeit der Infektion bis zum Auftreten erster Beschwerden wird als Inkubationszeit bezeichnet. Diese beträgt bei Lippenherpes zwischen 2 und 12 Tagen.

Lippenherpes – Prophylaxe

Einem Lippenherpes kann weder durch eine Immunisierung, wie von der Grippeschutzimpfung her bekannt, noch sonst vorgebeugt werden. Es gilt, Vorsorgemaßnahmen zu ergreifen, um dem Herpesvirus möglichst wenig Raum zum Ausbruch zu geben.

Hier erhalten Sie einen kurzen Überblick, wie die Maßnahmen zur Vorbeugung aussehen könnten:

  • Gesunde Lebensweise
  • Ausreichend Schlaf
  • Wenig Stress
  • Stärkung des Immunsystems
  • Schutz vor UV-Strahlen
  • Beachtung der hygienischen Maßnahmen

Während der Schwangerschaft ist die Gefahr besonders groß, das ungeborene Kind mit dem Herpesvirus anzustecken. Allerdings wird der Herpes simplex Virus – Typ 1 im Gegensatz zu dem für den Herpes genitalis (Genitalherpes) verantwortlichen Typ 2 nicht während der Geburt auf das Baby übertragen. Nach der Geburt des Babys kann auch trotz Lippenherpes gestillt werden. Ist eine Brust von der Herpes-Infektion betroffen, sollten Sie eine Berührung des Babys mit dem infizierten Bereich vermeiden.

Da jedoch auch die Herpesviren vom Typ 1 extrem ansteckend sind, bspw. durch Küssen, gemeinsame Nutzung von Tassen, Gläsern, Besteck, Handtücher etc., ist besondere Vorsicht geboten.

Deshalb ist es ratsam, nur unter Verwendung von Kondomen intim zu werden und bestimmte Sexualpraktiken (oral), bei denen ein direkter Kontakt zwischen dem Mund und den Geschlechtsorganen besteht, zu vermeiden.

Diagnose und Therapie bei Lippenherpes

Sobald es zu einem Herpes-Ausbruch kommt, wird der Arzt bei Ihrem Besuch mit der Erhebung der Krankheitsgeschichte (Anamnese) beginnen. Die typischen Anzeichen der entzündlichen Herpesbläschen im Bereich der Lippe, verkrustete Schleimhäute und die schmerzhaften Beschwerden, lassen den Arzt schnell zur Diagnose Lippenherpes kommen.

Allerdings ist es ihm ohne Laboruntersuchungen nicht möglich zu bestimmen, ob es der Herpes simplex Virus Typ 1 oder Typ 2 ist, welcher für den Lippenherpes verantwortlich ist.

Handelt es sich um den Herpes simplex Virus Typ 1, sind gebildete Antikörper im Blut nachweisbar. Wichtig ist zu prüfen, ob bei einem Lippenherpes auch die Lymphknoten geschwollen sind.

Die Herpes-Behandlung wird sich je nach Schweregrad der Infektion richten. Sind die Haut bzw. die Schleimhäute nur begrenzt befallen, ist eine Therapie nicht zwingend nötig.

Die Herpes-Behandlung hat das Ziel, in erster Linie die Infektion einzudämmen und die Schmerzen und Beschwerden zu lindern. Virenhemmende Stoffe können im verschiedenen Formen verordnet werden.

Bei einem schweren Verlauf des Lippenherpes kann eine Injektion erforderlich sein. Dies hat eine schnelle und intensive Wirkung beim Kampf gegen die Viren. Zeitgleich wird auf die entzündeten Stellen eine Salbe aufgebracht.

Schmerzlindernd und auch gegen eine Ansteckung anderer Menschen, bieten sich spezielle Pflaster gegen Lippenherpes an. Diese verdecken zum einen die unansehnlichen Stellen und haben zudem den Vorteil, dass sie übergeschminkt werden können.

Entwickelt sich aber eine Zweitinfektion, deren Erreger Bakterien sind (eine sogenannte Superinfektion), werden Antibiotika eingesetzt. Diese töten die Bakterien ab, parallel dazu wird die betroffene Stelle desinfiziert.

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